Was erhält uns gesund? Zu dieser Frage gibt es wohl so viele Meinungen und Vorstellungen, wie es Personen auf der Welt gibt. Sind es die Gene, die man vererbt erhält, die ein langes und möglichst gesundes Leben bestimmen, oder ist es der gesunde Lebensstil, die Umwelt oder gar der Zufall?

Der wissenschaftliche Kenntnisstand zu dieser Frage ist zudem einem steten Wandel unterworfen. Empfehlungen von gestern werden morgen widerrufen und das Gegenteil propagiert. Dies gilt insbesondere für Ernährungsempfehlungen. Zum Beispiel die Frage der Anzahl Eier, die man pro Woche konsumieren darf: War früher nur ein Ei pro Woche erlaubt, so sind es heute 2–3. Das schafft Verunsicherung bei denjenigen, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen.
Gesichert ist, dass die Gene, die wir von unseren Vorfahren erhalten, unsere Gesundheit bestimmen – zumindest zu einem Teil. Man geht heute davon aus, dass die Gene etwa zu 25–30% Einfluss auf das Altern und die Lebenszeit haben und der Lebensstil zu etwa 70–75% – der Lebensstil ist also bedeutender. Eine gute Nachricht, denn diesen können wir beeinflussen. Je nach Lebensstil verändert sich die Lebenszeit um Jahre. Wer raucht, viel trinkt, sich nicht bewegt und sich ungesund ernährt, weist epidemiologisch betrachtet ein 2,5-faches Sterblichkeitsrisiko auf gegenüber jemandem, der auf die Gesundheit achtet. Oder andersrum formuliert kann einen ein gesunder Lebensstil um zehn Jahre jünger erhalten1.
Die am besten erforschten Lebensstilfaktoren sind die folgenden vier: das Rauchen, die Bewegung, die Ernährung und der Alkoholkonsum.

Rauchen

Das schädlichste Risikoverhalten ist das Rauchen: Gegenüber einer Gruppe von Nichtrauchern haben Rauchende statistisch gesehen ein um 57% erhöhtes Risiko, frühzeitig zu sterben. Rauchen birgt nicht nur das Risiko eines frühzeitigen Todes, Rauchende haben einen schlechteren Gesundheitszustand, sie sind häufiger krank, sie sehen schneller alt aus, das Risiko für Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Bronchitis oder die chronischobstruktive Lungenkrankheit steigt, um nur einige Folgen zu nennen. Dass Rauchen schädlich ist, ist wohl allen bekannt. In der Region Basel rauchen dennoch aktuell 27% (BS) bzw. 26% (BL) der Bevölkerung. Immer mehr Menschen schaffen es aber, mit dem Rauchen wieder aufzuhören. Sollten Sie Raucherin oder Raucher sein und sich ebenfalls einen Rauchstopp überlegen, so sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an. Es gibt viele Möglichkeiten der Unterstützung.

Bewegung

Bewegung ist in der letzten Zeit zu einem regelrechten «Allerweltsmittel» für die Förderung der Gesundheit geworden: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Bewegung das Risiko für Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ II, Knochenschwund, Darm- und Brustkrebs reduziert und eine positive Wirkung auf das psychische Wohlbefinden, den Schlaf und die Lebensqualität hat. Im Alter erhält Bewegung die Selbständigkeit, die Denkfähigkeit und vermindert die Gefahr von Stürzen. Die gute Nachricht dabei: Der Anteil der Menschen in den Kantonen BS und BL, die sich regelmässig bewegen, hat in den letzten 10 Jahren um rund 15% zugenommen. 68% der Frauen und 78% der Männer in Basel-Stadt und 76% der Frauen und 76% der Männer in Baselland können als aktiv bezeichnet werden. Dies obwohl viele Menschen eine sitzende Tätigkeit ausüben und sich mit dem Auto fortbewegen. Bereits kleine zusätzliche Bewegungseinheiten sind wirksam, insbesondere die Einbettung von Bewegung in den Alltag, z.B. so viel wie möglich zu Fuss gehen, Treppen steigen oder beim Zähneputzen auf einem Bein stehen …

Ernährung

Beim Thema Ernährung sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirkung auf die Gesundheit weniger eindrücklich wie bei der Bewegung. Es braucht auch längere Zeit, bis sich Effekte einer Ernährungsumstellung zeigen, und zudem ist die Nahrung sehr vielfältig, was die Untersuchungen erschwert. «Mässigkeit» aus dem Sprichwort im Titel ist wohl ein richtiger Hinweis, v.a. bei Fett, Zucker und Salz. Nicht aber bei Gemüsen und Früchten. Hier werden 5 Portionen pro Tag empfohlen, ein Wert, den nur wenige in der Schweiz erreichen: 20% der Frauen und 11% der Männer in Basel-Stadt und 27% der Frauen sowie nur 9% der Männer in Baselland, hier besteht also noch ein grosses «Verbesserungspotenzial». Hin und wieder Fleisch, Eier, Fisch und gesunde Fette bzw. Öle gehören ebenfalls gesichert zur gesunden Ernährung. Was wahrscheinlich nicht direkt eine Wirkung auf die Lebenserwartung hat, aber unmittelbar das Wohlbefinden verbessert, ist der Wasser- bzw. der Flüssigkeitskonsum (nicht-alkoholische Getränke). Genügend Flüssigkeit unterstützt das Denken, hilft bei der Verdauung und hält den Kreislauf in Schwung. Die empfohlene Menge pro Tag für eine erwachsene Person beträgt 1–1,5 Liter. Auch diesen Wert erreichen nur rund 25% der Bevölkerung in den beiden Basel.

Alkohol

Klar ist, dass Alkohol, in grösseren Mengen konsumiert, einen enormen Einfluss auf die Gesundheit hat, nicht nur auf die eigene, der Alkoholkonsum schädigt auch Dritte (Unfälle, Gewalt, soziale Auswirkungen). In der Altersgruppe von 15 bis 74 Jahren ist bei Männern jeder 10. und bei Frauen jeder 17. Tod auf Alkohol zurückzuführen. Grund der alkoholbedingten Sterblichkeit sind hauptsächlich Krebserkrankungen, Unfälle und Verletzungen sowie Krankheiten des Verdauungstraktes. Nach wie vor besteht aber unter Fachleuten Uneinigkeit bezüglich der gesundheitsschädigenden oder gar gesundheitsförderlichen Konsummenge. Allgemein akzeptiert ist die pauschale Empfehlung, dass zwei Standardgläser Alkohol (1 dl Wein, 3 dl Bier, 1 cl Schnaps) pro Tag bei gesunden erwachsenen Männern und eines bei Frauen einen risikoarmen Konsum darstellt. Ferner wird empfohlen, dass an zwei Tagen in der Woche kein Alkohol getrunken wird, damit sich keine Gewöhnung entwickelt. Bei einigen Krankheiten kann Alkohol je nach Konsummenge und Trinkmuster einen schützenden Effekt haben. Dies ist beispielsweise für die Zuckerkrankheit (Diabetes Typ II) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen der Fall. Umstritten ist, ob diese schützende Funktion nicht durch andere negative Effekte wieder wettgemacht wird2. Testen Sie Ihr Wissen rund um Alkohol auf der Website www.alcohol-facts.ch!

Gesundheit bis ins hohe Alter ist kein Zufall

Ein gesunder Körper und Geist ist das Ergebnis von persönlicher Gesundheitsförderung und dem sorgfältigen Umgang mit der eigenen Gesundheit, also wohlüberlegte Massnahmen und Vorsorge, die das Risiko zu erkranken vermindern. Etwas dafür tun muss man schon.

Dr. sc. nat. MPH Irène Renz

 

[1] www.mediadesk.uzh.ch/articles/2014/gesunder-lebenswandel-verlaengert-das-leben-um-jahre.html 

[2] Risiken für alkoholbedingte Krankheiten und Mortalität, ember 2013 Marc Marthaler, Sucht Schweiz, Dezember 2013

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