Das Bundesamt für Statistik und das Bundesamt für Gesundheit wollen von der Ärzteschaft Daten. Die Wirkung des KVG sei zu kontrollieren, dazu auch die Qualität. Und man wolle mit diesen Daten auch den Tarif plausibilisieren.

Daten zur Volksgesundheit, zur Morbidität und zu Behandlungskosten sind eine annehmbare, ja sinnvolle Sache. Aus Daten auf medizinische Qualität zu schliessen eine andere, weit schwierigere Sache. Dem Staat aber die Finanzdaten unserer Praxen zu liefern, damit er noch einfacher in den Tarif eingreifen kann, ist eine Dummheit! Sind diese Daten erst einmal geliefert, werden die genannten Bundesämter sowie auch der Krankenkassenverband santésuisse diese nach ihrem Gutdünken auswerten. So werden wir zukünftig mit den Interpretationen unserer eigenen Daten konfrontiert werden, ohne mehr Einsicht zu haben oder gefragt zu werden. Mit nichts kann man einem Verhandlungsgegner besser den Wind aus den Segeln nehmen, als mit dem Hinweis, dass es sich da ja um seine eigenen Daten handle. Zahlen und Daten dieser Art wurden noch nie benutzt oder akzeptiert, um den Tarif anzuheben. Nur für das Gegenteil. Die Leistungs- und Kostenvereinbarung (LeiKoV) sollte datengestützt die Taxpunktwerte im Lande steuern. Die Versicherer machten nur so lange mit, wie es ihr Vorteil war. An dem Tag, an dem die Daten plötzlich Taxpunktwerterhöhungen ergaben, wurde die LeiKoV an die Wand gefahren. Die FMH hat viele solide Daten zum Labortarif erarbeitet und liefert diese immer noch an das Bundesamt für Gesundheit – ohne eine Einsicht zu bewirken. Politische Opportunität hat Vorrang!
Wir haben doch nicht unter grossem Aufwand die Rollende Kostenstudie (RoKo) und den TARMED-Datenpool aufgebaut, um die Ergebnisse dann frei Haus abzuliefern. Dabei sieht das Gesetz ausdrücklich die Weitergabe an santésuisse vor. Das ist das Ende der Datenparität. Stellt man sich so das ebenfalls im KVG verankerte Verhandlungsprimat der Tarifpartner vor?
Zwar sieht das Gesetz die Datenlieferung für alle Leistungserbringer gleichermassen vor, Spitäler wie Arztpraxen und weitere. Allerdings ist es ein grosser Unterschied, ob ein Spital oder eine Einzelfirma die Finanzdaten offenbart. Für den Inhaber der Einzelpraxis bedeutet dies einen nicht annehmbaren Eingriff in seine Privatsphäre. Er steht da wie der Kaiser in seinen neuen Kleidern: splitternackt! Die Wirtschaftlichkeitsprüfer von santésuisse werden zukünftig einem Verdächtigen nicht bloss ihre Kostenaufstellung präsentieren, sondern ebenso seine eigenen Umsätze und Betriebsergebnisse (inkl. Lohn der mitarbeitenden Ehefrau). Das Bundesamt für Gesundheit wird alsdann aus unseren Daten irgendwelche Qualitätsindikatoren und Parameter der Kostenentwicklung herleiten und diese kraft des Gesetzes veröffentlichen – namentlich wohlverstandenen! Ob diese im Einzelnen zutreffend sind oder nicht, ist für einen Beamten nebensächlich.
Wollen wir da wirklich mitmachen? Nur die allerdümmsten Kälber bringen auch das Messer mit zum Metzger ...…

Dr. med. Markus Redlich, Vorstandsmitglied MedGes

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