«Die Synapse will als «Denkfabrik» der Vorstände von Ärztegesellschaft Baselland und Medizinischer Gesellschaft Basel eine zukunftsgerichtete Diskussion in Gang setzen. Uns ist sehr bewusst, dass dieses Heft nicht in der Lage ist, alle Optionen abschliessend aufzulisten und konkrete Lösungen zu präsentieren.»

Unsere Vision des «Gesundheitsraums Basel» umfasst ein von beiden Kantonen paritätisch getragenes «Spital Basel» mit der hochspezialisierten Medizin am Standort Universitätsspital Basel und einer adäquaten, bevölkerungsnahen (erweiterten) Grundversorgung an den bisherigen Standorten Bruderholz und Liestal (oder auch später an einem neuen Standort im Raume Muttenz/Pratteln/Münchenstein, wenn die beiden bisherigen Spitäler Liestal und Bruderholz «in die Jahre gekommen sind» und ersetzt werden müssen).

«Gesundheitsraum Basel» … Bewusst haben wir als Titel für dieses Heft nicht «beider Basel» gewählt, es soll eine Selbstverständlichkeit werden, dass wir beginnen (und es dann auch umsetzen), regional zu denken und zu handeln. Auch haben wir verzichtet, die Kantone Aargau und Solothurn bei den aktuellen Überlegungen mit einzubeziehen, die Angelegenheit ist auch so schon komplex genug.

Wir wollen hier nicht auf Sinn oder Unsinn einer Kantonsfusion Baselstadt und Baselland eingehen. Dies muss auf der «grossen» politischen Bühne diskutiert und schliesslich vom Volk entschieden werden. Aber wir sind der klaren Meinung, dass die Zeiten der gegenseitigen Konkurrenzierung im Gesundheitssystem vorbei sind, dass wir uns diese Konkurrenz schlichtweg nicht mehr leisten können. Unsere wahre Konkurrenz ist nicht im Unispital Basel resp. im Kantonsspital Baselland, unsere Herausforderung sind die Zentren in Zürich, Bern, Genf und Lausanne. Will die Region, will nicht zuletzt die Universität und somit auch das Universitätsspital, will die Spitzenmedizin in der Region bestehen, kann und muss auch ohne Kantonsfusion zusammen geplant, entschieden und gearbeitet werden.


Dieses Konstrukt hat diverse klare Vorteile:

  • Eine gemeinsame Trägerschaft beider Kantone schliesst Doppelspurigkeiten und Reibungsverluste durch eine unnötige Konkurrenzierung aus.

  • Es erlaubt durch die Konzentrierung der hochspezialisierten Medizin auf ein universitäres Zentrum genügend hohe Fallzahlen und die Sicherstellung der Qualität, um im stetig härteren Wettbewerb auch mittel- und langfristig bestehen zu können.

  • Es optimiert die Weiterbildung auf Stufe Assistenz- und Oberarzt durch sinnvolle Rotationen in allen Bereichen der Grundversorgung, der erweiterten Grundversorgung und der hochspezialisierten Medizin.

  • Es erhält eine wohnortnahe (erweiterte) Grundversorgung durch den Erhalt der beiden Grundversorger-Spitäler Bruderholz und Liestal (mit sinnvollem Leistungsangebot).

  • Es stärkt letztendlich den Gesundheitsraum Basel.

Im regionalen Gesundheitswesen wird ja bereits auf verschiedenen Ebenen erfolgreich über die Kantonsgrenze hinweg zusammengearbeitet: Kinderspital beider Basel UKBB, Krebsliga wie Lungenliga beider Basel, die bestehenden Kooperationsverträge zwischen Universitätsspital Basel und Kantonsspital Baselland, Medizinische Notrufzentrale, Hebammenverband beider Basel, Gesundheitswirtschaft Forum Basel, Samariterverein beider Basel und nicht zuletzt die Kooperation zwischen der medizinischen Gesellschaft Basel mit der Ärztegesellschaft Baselland und dem Verband Schweizer Assistenzund Oberärzte beider Basel inklusiver einer gemeinsamen Politagenda.

Die Synapse-Redaktion ist sich sehr bewusst, dass diese Vision schwierig umzusetzen ist und dass es dafür einen längeren und vielleicht auch schmerzhaften Prozess braucht. Aber wir sind auch überzeugt, dass eine verbesserte Zusammenarbeit über die Kantonsgrenze hinweg für die involvierten Partner ein grosses Optimierungspotential hat, dass alle Beteiligten davon profitieren würden, nicht zuletzt unsere Patientinnen und Patienten.
Es ist das Privileg einer «Denkfabrik», Ideen und Visionen zu entwickeln und Diskussionen anzustossen, manchmal auch zu provozieren. In diesem Sinne hoffen wir auf einen regen, kritischen und konstruktiven Dialog mit unserer Leserschaft.

PS: Wir hatten auch noch die beiden CEOs des Universitätsspitals Basel und des Kantonsspitals Baselland um eine Stellungnahme und um ihre Vision eines «Gesundheitsraumes Basel» gebeten. Leider eine Absage aus Baselland und keine Antwort aus BaselStadt.


Dr. med. Tobias Eichenberger, Präsident Ärztegesellschaft Baselland

 

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