Liebe Leserinnen und Leser

In der vorliegenden Synapse finden sich Artikel, die in irgendeiner Weise einen Bezug zu Normen aufweisen. Technische Hilfsmittel können unsere sensorischen und taktilen Fähigkeiten steigern. Letztlich steht hinter der Maschine aber immer noch ein Mensch. Dies aus gutem Grund: Der Mensch steht im Zentrum der Medizin – und Menschen sind nicht genormt. Das betrifft auch die Pflege­roboter: Pflege als genormte Tätigkeit? Roboter nahmen den Menschen bisher repetitive, eintönige, körperlich be­lastende Tätigkeiten ab, aber eben bei der Herstellung genormter Güter. Es gibt Qualitätsnormen in unübersehbarer Zahl hinsichtlich Strukturen, Prozessen und Ergebnissen in der Medizin. Letztere noch aufgeschlüsselt nach Output, Outcome und Impact. Da im Zentrum der nicht genormte Mensch steht, ist An­wendung mit Augenmass und Erfahrung angezeigt unter Respektierung der Werte des Patienten.

Studienergebnisse sind immer kritisch zu hinterfragen. So steht vielleicht auch die in dieser Synapse kommentierte Helsana-Studie, die durch politische Vermarktung auffiel, am Ende einer Entwicklung, die politisch verantwortet ist. In der Studie wird unter anderem die übermässige Abgabe von Benzodiazepinen und Neuroleptika in Pflegeheimen moniert. Wie in der kritischen Beurteilung festgehalten, werden diese Therapien oft in Spitälern etabliert, in welchen sich die Patientinnen und Patienten vor Heimeintritt befinden. Es ist bekannt, dass die Verschreibung dieser Medikamente durch eine ausreichende Anzahl entsprechend qualifizierten Pflegeper­sonals, welches genug Zeit hätte, sich dem Patienten zuzuwenden, reduziert werden könnte. Nun ist es aber so, dass den Spitaldirektionen unter dem aktuell politisch verantworteten System folgende Strategie nahegelegt wird: Personalkosten reduzieren und somit Pflegepersonal abbauen, da dieses keine verrechenbaren Leistungen erbringt, und Codierer und Controller einstellen, um den Patienten optimal als Portfolio zu ­bewirtschaften. Auch vor diesem Hintergrund müssten die Anliegen der Pflegeinitiative verstanden werden.

Die Werte eines sozialen Gesundheitsversorgungssystems und einer auf Gewinnmaximierung zielenden Gesundheitswirtschaft sind gemäss dem Medizinethiker Professor Giovanni Maio unvereinbar. Gerade aus diesem Grund fordern die Ärztegesellschaften eine ethische Begleitung der Spitalfusion. Dies ist bitter nötig, findet sich doch ein ethisch unhaltbarer Artikel 15 im neuen Spital­versorgungsgesetz beider Kantone.

Im Bildungswesen sieht es zurzeit nicht besser aus: Leistungslöhne für Lehrer auf welcher Grundlage? Im Bildungs- wie auch im Gesundheitswesen sind Leistungslöhne abzulehnen, da sie zu zahlreichen nicht intendierten Neben­wirkungen führen. Vielleicht brauchen einige Politiker und Betriebswirtschaftler auch ein Fortbildungsobligatorium und nicht nur Ärztinnen und Ärzte, Lehrerinnen und Lehrer. Sie müssten nicht mal
in die Ferne schweifen: Mit Professor Binswanger, einem Volkswirtschaftler an der Fachhochschule Nordwestschweiz, stünde ein ausgezeichneter Dozent zur Verfügung.

Lassen Sie sich von ihm über Markt-, Messbarkeits- und Motivationsillusionen informieren, bevor Sie mehr Schaden als Nutzen anrichten und die intrinsische Motivation zahlreicher guter Berufsleute im Bildungs- und Gesundheitswesen zerstören. Auch liessen sich so unnötiger administrativer Aufwand und Kosten sparen. Eine Partizipation von Berufsleuten, die den Namen verdient – keine Feigenblattaktionen –, wäre ein hilfreicher Ansatz dabei.

Dr. med. Carlos Quinto MPH

Bewerten Sie den Artikel

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.

Lesermeinungen

Abonnieren/Kündigen

Bitte tragen Sie Ihre Email Adresse ein, um bei neuen Kommentaren benachrichtigt zu werden. Falls Sie schon eingetragen sind können Sie sich hier austragen.